Brand- und Explosionsschutz
Auf Baustellen kommt es beim Einsatz von bauchemischen Produkten immer wieder zu Brand- und Explosionsunfällen. Brände entstehen, wenn ein brennbarer Stoff durch eine geeignete Zündquelle entzündet wird. Liegen die brennbaren Stoffe in einer gefahrdrohenden Konzentration oder in einer bestimmten Form vor, dann kann in Verbindung mit Luftsauerstoff eine Explosionsgefahr bestehen.
Gefahrenquellen auf der Baustelle
Eine Gefährdung kann z.B. bestehen bei …
- dem Einsatz von lösemittelhaltigen brennbaren Bauprodukten insbesondere die als extrem entzündbar, leicht entzündbar oder entzündbar gekennzeichneten. Dazu zählen Farben und Lacke, Reinigungsmittel, Korrosionsschutzmittel, auch in Spraydosen!
- Wechselwirkungen mit anderen Arbeitsbereichen. Lösemitteldämpfe sind schwerer als Luft, reichern sich am Boden, in Hohlräumen und Senken an und können in benachbarte Räume und tiefer liegende Geschosse kriechen.
- der Entsorgung von Putzlappen, die mit ungesättigten Ölen wie Pflanzenöle, Leinöl, Ölfarben getränkt sind.
- dem Aufwirbeln von feinem brennbaren Staub wie Holzstaub, Metallpulver.
Entstehung eines Brandes, einer Explosion
Ein Brand entsteht, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:
- Brennbarer Stoff/Gemisch
- Luftsauerstoff
- Wirksame Zündquelle
Bildet der brennbare Stoff mit Luftsauerstoff eine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre, dann besteht zusätzlich Explosionsgefahr.
Brennbare Stoffe
Brennbare Stoffe sind Stoffe/Gemische in Form von Gas, Dampf, Flüssigkeit, Feststoff oder Gemisch, die entzündet werden können. Im Sicherheitsdatenblatt von chemischen Stoffen und Gemischen sind in Abschnitt 9 die physikalisch-chemischen Eigenschaften angegeben.
Zu den brennbaren Stäuben zählen organische Stäube wie z.B. Hoz-, Mehlstäube sowie Metallpulver und –späne wie Aluminiumpulver.
Zündquellen
Um einen Brand oder eine Explosion auszulösen, muss eine wirksame Zündquelle vorhanden sein. Wirksam heißt, dass die Zündenergie ausreichend groß sein muss.
Auf Baustellen können ganz unterschiedliche Zündquellen vorhanden sein:
- Flammen (offenes Feuer, Zigaretten, Glutnester, Schweißperlen, Brenner)
- Heiße Oberflächen (Motoren, Heizungen, Heizstrahler, Fön)
- Elektrische Energie (Licht, Lichtschalter, Klingel, elektrische Geräte)
- Lichtbögen (Schweißen)
- Mechanisch erzeugte Funken (durch funkenreißendes Werkzeug)
- Elektrostatische Aufladung (Schuhe)
- Strahlung: ionisierende, Ultraschall, elektromagnetische (Handy, Funkgerät)
- Chemische Reaktionen
Explosionsgefahr
Eine Explosionsgefahr ist gegeben, wenn sich ein explosionsfähiges Gemisch aus Luft und brennbaren Stoffen bildet, welches entzündet werden kann.
Liegt dieses Gemisch in einer solchen Menge (gefahrdrohenden Menge) vor, dass besondere Schutzmaßnahmen zum Schutz der Beschäftigten erforderlich sind, dann wird es als gefährliche explosionsfähige Atmosphäre bezeichnet.
Als Faustregel für eine gefahrdrohende Menge gilt:
- Mehr als 10 Liter explosionsfähiger Atmosphäre als zusammenhängende Menge müssen in geschlossenen Räumen unabhängig von der Raumgröße immer als gefährliche explosionsfähige Atmosphäre angesehen werden.
- Eine gleichmäßig auf einer Bodenfläche verteilte Schicht brennbaren Staubes von weniger als 1mm Schichtdicke reicht aus, um beim Aufwirbeln einen Raum vollständig mit explosionsfähigem Staub-Luft-Gemisch auszufüllen.
Im Sicherheitsdatenblatt von chemischen Stoffen und Gemischen sind in Abschnitt 9 die physikalisch-chemischen Eigenschaften angegeben. Dort finden sich auch Hinweise auf Explosionsgefahren.
Verhindern einer Explosion
Es müssen Maßnahmen getroffen werden, um Brand- und Explosionsgefahren zu verhindern:
- Vermeidung gefährlicher Mengen von brennbaren Stoffen
- Dazu zählen z.B. der Austausch von brennbaren Stoffen gegen nicht brennbare Stoffe, die Mengenbegrenzung von brennbaren Stoffen, die Absaugung von brennbaren Stoffen an der Entstehungsstelle.
- Vermeidung von Zündquellen
- Wirksame Zündquellen sind aus dem Arbeitsbereich zu entfernen. Nur explosionsgeschützte Arbeitsmittel sind einzusetzen. Wechselwirkungen mit anderen Arbeitsbereichen sind zu beachten.
Kann gefährliche explosionsfähige Atmosphäre nicht sicher verhindert werden, muss der Arbeitgeber die Wahrscheinlichkeit und die Dauer des Auftretens gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre beurteilen.
Auf dieser Grundlage wird der Arbeitsbereich in explosionsgefährdete Bereiche, den Zonen, eingeteilt:
- Zone 0 bzw. 20: Bereich, in dem explosionsfähige Atmosphäre ständig, über lange Zeiträume oder häufig auftritt. (0 für brennbare Gase, Dämpfe, Nebel, 20 für Staub)
- Zone 1 bzw. 21: Bereich, in dem explosionsfähige Atmosphäre gelegentlich auftritt. (1 für brennbare Gase, Dämpfe, Nebel, 21 für Staub)
- Zone 2 bzw. 22: Bereich, in dem explosionsfähige Atmosphäre normalerweise nicht auftritt. Wenn sie sich bildet, dann nur kurzzeitig. (2 für brennbare Gase, Dämpfe, Nebel, 22 für Staub)
Für die einzelnen Zonen werden Schutzmaßnahmen und die geeigneten Arbeitsmittel festlegt. Dies kann in einem Explosionsschutzdokument dokumentiert werden.
Weitere Informationen zum Thema
Hier finden Sie die rechtlichen Grundlagen.
Hilfreiche Informationen:
- Allgemeine Informationen für die Tätigkeiten mit brennbaren Flüssigkeiten
- Allgemeine Informationen für explosionsgefährdete Bereiche (außer Staubbereiche)
- Abfrageschema zum Erkennen und Vermeiden von Explosionsgefährdungen gemäß TRBS 2152 mit Erläuterungen
- Muster für ein Explosionsschutzdokument
Linkliste
- Explosionsschutzportal der BG RCI
- GESTIS-STAUB-EX, Datenbank mit Brenn- und Explosionskenngrößen von Stäuben
- GESTIS Stoffdatenbank, Gefahrstoffinformationssystem der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung
- Internet-Seiten des Explosionsschutzes der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB)
- CHEMSAFE: Datenbank der Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung (BAM) und der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) mit sicherheitstechnischen Kenngrößen des Brand- und Explosionsschutzes