Interview mit Prof. Frank Werner

Prof. Frank Werner
  • Bildquelle: S. Taheri (Hannover)

Hinweise für Beschäftigte und Unternehmen des Reinigungsgewerbes

Interview mit Prof. Dipl.-Ing. Frank Werner, stellv. Hauptabteilungsleiter Prävention der BG BAU.

 

Was raten Sie in der aktuellen Situation speziell Mitgliedsbetrieben und Versicherten der BG BAU aus dem Reinigungsgewerbe?

Hygiene ist in einer Pandemiesituation für alle von allergrößter Bedeutung. Dies gilt besonders für Unternehmen des Reinigungsgewerbes: Die Mitarbeiter dieser Betriebe sind in der Regel diejenigen, die überall – vom Büro über das Krankenhaus bis zum Flughafen - für saubere und hygienische Zustände sorgen, nicht nur durch die Reinigung von Oberflächen wie Fußböden, aber auch Türklinken u.ä.  sondern auch durch das Auffüllen von Seifenspendern und Einmalhandtüchern.

Insofern ist die Hygiene der Mitarbeiter dieser Unternehmen und dass sie gesund bleiben, eine wichtige Grundlage dafür, dass auch für andere die Infektionsgefahr möglichst reduziert wird.

Mit welchen besonderen Risiken ist diese Berufsgruppe konfrontiert, und welchen Umgang empfehlen Sie?

Besondere Risiken treten insbesondere dann auf, wenn viele Menschen zusammentreffen. Das ist nicht die Regelsituation für Reinigungstätigkeiten, kann aber vorkommen. Häufig arbeiten Reinigungskräfte ja dann, wenn Räume nicht genutzt werden und niemand da ist. Wenn das nicht möglich ist – wie z.B. auf Bahnhöfen oder in Krankenhäusern – sollte der Einsatz der Reinigungskräfte möglichst so organisiert werden, dass dieser in möglichst weniger stark frequentierten Zeiten erfolgt.

Welcher Schutz ist bei verstärkten Desinfektions- bzw. Hygienemaßnahmen ratsam (Eincremen der Hände, spezielle Handschuhe?)

Das Händewaschen ist eine der grundlegenden Hygienemaßnahmen und derzeit besonders wichtig. Das verstärkte Händewaschen ist jedoch auch eine zusätzliche Belastung für die in der Regel schon stark beanspruchten Hände der Reinigungskräfte, deshalb sind sorgfältiger Schutz und eine intensive Pflege der Haut umso wichtiger. Das bedeutet:

  • Bei allen Feuchtreinigungs- und Desinfektionsarbeiten, die nicht „berührungslos“ funktionieren, müssen geeignete Handschuhe getragen werden, die verhindern, dass die Hände mit der Reinigungsflüssigkeit in Kontakt kommen.
  • Diese Handschuhe müssen innen trocken sein und bleiben. Gegen das Schwitzen darin können Baumwollunterziehhandschuhe, ein häufigerer Handschuhwechsel und spezielle Hautschutzmittel helfen. Wenn Reinigungsflüssigkeit in die Handschuhe hineingekommen ist, müssen diese sofort getauscht werden.
  • Die Hände müssen noch häufiger als sonst eingecremt werden. Besonders wichtig sind hierbei die Fingerzwischenräume, die oft vergessen werden, wo die Haut aber besonders empfindlich ist. Auch hier sind Baumwollunterziehhandschuhe sehr hilfreich: Man kann die Hände großzügig eincremen, kann diese sowie dann die Schutzhandschuhe drüberziehen und kann schon weiterarbeiten, während die Hände gleichzeitig gepflegt werden.

Worauf sollten Beschäftigte achten, was besser vermeiden (z.B. zu viel Reinigungsmittel verwenden etc.)?

Hygienemaßnahmen wirken nur, wenn sie exakt durchgeführt werden. Das heißt: ein wirksames Mittel muss in der richtigen Konzentration lückenlos zur Anwendung kommen. Das gilt für die persönliche Hygiene genauso wie für die auszuführenden Reinigungsarbeiten:

  • Die angegebene Dosierung von Reinigungsmitteln ist einzuhalten und gewährleistet deren Wirksamkeit. Mehr hilft hier nicht mehr, sondern schadet ggf. eher den Oberflächen, der Haut oder den Atemwegen.
  • Wenn die Hände desinfiziert werden, muss das so geschehen, dass das Händedesinfektionsmittel auf die gesamte Hautoberfläche der Hände einwirken kann. Die vollständige Verteilung ist nicht einfach und nur mit einem bewussten schrittweisen Vorgehen zu erreichen. Wie man das macht, kann man zum Beispiel in dem Video sehen.
  • Wischen statt Sprühen - das Sprühen von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln sollte noch mehr als üblich hinterfragt werden. Bei diesem Verfahren ist eine vollständige Benetzung der Oberfläche nicht gewährleistet, sodass in der Regel sowieso nachgewischt werden muss.

Außerdem gelangen die dabei entstehenden kleinen Tröpfchen auch in die Atemwege der Beschäftigten, was die Schleimhaut schädigt. Das sollte man immer, aber insbesondere jetzt vermeiden!

Welche konkreten Arbeitsschutzmaßnahmen empfehlen Sie den Betrieben?

Sorgen Sie dafür, dass die allgemeinen Hygienemaßnahmen umgesetzt werden können und konsequent umgesetzt werden. Das bedeutet:

Was auch das Infektionsrisiko deutlich senkt, vermutlich aber nicht immer geht: organisieren Sie den Einsatz so, dass möglichst wenig Kontakt mit anderen Menschen notwendig oder wahrscheinlich ist.

Die BG BAU hat eine Informationssammlung auf ihrer Website erstellt.

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