Neue Berufskrankheiten: Hüftgelenkarthrose und Passivrauch

Ärztin mit Patienten

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Die Liste der Berufskrankheiten (BK) wurde erweitert – um Hüftgelenkarthrose durch Heben und Tragen schwerer Lasten und Lungenkrebs durch Passivrauchen. Der Bundesrat stimmte dieser Änderung der Berufskrankheiten-Verordnung Ende Juni zu. Ab 1. August 2021 tritt sie in Kraft. Die Grundlage dafür waren wissenschaftliche Empfehlungen des Ärztlichen Sachverständigenbeirats Berufskrankheiten (ÄSVB) beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Die Hüftgelenksarthrose (BK-Nummer 2116) kann anerkannt werden, wenn

  • das Krankheitsbild die Diagnose „Koxarthrose“ im Sinne der wissenschaftlichen Begründung erfüllt,
  • die erkrankte Person während ihres Arbeitslebens mindestens zehnmal pro Tag Lasten mit einem Gewicht von mindestens 20 Kilogramm gehandhabt hat und
  • das Gesamtgewicht der Last, die im Arbeitsleben bewegt wurde, mindestens 9.500 Tonnen beträgt.

Lungenkrebs durch Passivrauch (BK-Nummer 4116) kann anerkannt werden, wenn

  • das Krankheitsbild die Diagnose „Lungenkrebs“ erfüllt,
  • die erkrankte Person am Arbeitsplatz viele Jahre intensiv Passivrauch ausgesetzt war (Passivrauchexposition) und
  • die erkrankte Person selbst nie oder maximal bis zu 400 Zigarettenäquivalente aktiv geraucht hat. Dabei werden etwa Zigarren, Zigarillos und andere Tabakprodukte entsprechend ihrer Zusammensetzung umgerechnet und Zigaretten gleichgestellt.

Bereits vor der Aufnahme in die Liste der Berufskrankheiten konnten beide Erkrankungen nach Paragraf 9 Abs. 2 Sozialgesetzbuch VII als sogenannte Wie-Berufskrankheit entschädigt werden. Als Berufskrankheiten kommen generell nur jene Erkrankungen infrage, die nach den Erkenntnissen der Medizin durch besondere Einwirkungen wie beispielsweise Lärm oder Staub bei der Arbeit verursacht sind. Bestimmte Personengruppen müssen solchen Einwirkungen durch ihre Arbeit in erheblich höherem Grad als die übrige Bevölkerung ausgesetzt sein. Zusätzlich muss die Krankheit wesentlich durch die schädigende Einwirkung bei der Arbeit verursacht sein.

Liegt eine Berufskrankheit vor, besteht das vorrangige Ziel darin, mit allen geeigneten Mitteln die Folgen der Berufskrankheit zu mildern und eine Verschlimmerung zu vermeiden. Um dieses Ziel zu erreichen, erbringt die gesetzliche Unfallversicherung Leistungen, die von der medizinischen Versorgung bis hin zu beruflichen Maßnahmen reichen können. Verbleiben trotz qualifizierter Rehabilitation schwerwiegende körperliche Beeinträchtigungen, erhalten Versicherte eine Rente.

Weitere Informationen zum Thema Berufskrankheiten finden Sie hier:

https://www.bgbau.de/berufskrankheiten