Coronavirus – Hinweise für Unternehmen der Bauwirtschaft

Frau Dr. Wahl-Wachendorf

Bildquelle: Guido Kollmeier

„Hygienemaßnahmen sollten strikt eingehalten werden“

Im Interview erläutert Dr. Anette Wahl-Wachendorf, Ärztliche Leiterin des Arbeitsmedizinischen Dienstes der BG BAU GmbH, wie Unternehmen der Bauwirtschaft und baunahen Dienstleistungen mit dem Thema Coronavirus umgehen können.

 

Frau Dr. Wahl-Wachendorf, wie schätzen Sie die derzeitige Situation für die Bauwirtschaft im Hinblick auf die Verbreitung des Coronavirus ein?

Aus unserer Sicht gibt es für unsere Betriebe des Bauhaupt- und Nebengewerbes derzeit keinen Grund, den normalen Geschäftsbetrieb einzustellen oder Schutzmaßnahmen über die allgemeinen Hygienemaßnahmen hinaus zu ergreifen. Die Sanitäranlagen im Betrieb und auf den Baustellen sollten jedoch regelmäßig gründlich gereinigt werden. Wichtig ist außerdem, dass die Hygieneregeln strikt eingehalten werden. So sollte die Möglichkeit zum häufigen Händewaschen bestehen. Dabei ist Gründlichkeit wichtig. Die BG BAU bietet dazu beispielsweise einen Aushang als Download an. Ebenso sollten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mit Erkrankungssymptomen bei der Arbeit erscheinen.

Gibt es Ausnahmen?

Ja, Ausnahmen betreffen Reinigungskräfte in Krankenhäusern. Hier ist eine Abstimmung mit den jeweiligen Hygienebeauftragten vor Ort zu empfehlen. Ein Schwerpunkt sollte aber auch hier auf der Hygiene liegen, unter anderem der Sauberkeit, dem Reinigungsplan, der Seife im Spender (keine Kernseife), Papierhandtüchern und einem Aushang zum richtigen Händewaschen sowie gegebenenfalls der Anwendung von Desinfektionsmitteln.

Wie sinnvoll sind Atemschutzmasken in der derzeitigen Situation, und welche Unterschiede gibt es?

Masken helfen nicht sicher vor einer Infektion. Vor allem handelsübliche Atemschutzmasken sind zum Schutz vor dem Coronavirus nicht geeignet. Der Erreger des Coronavirus ist kleiner als die Poren der Maske. Außerdem erfordert die Anwendung viel Sorgfalt. So müssen Masken ganz abschließen, um sicher zu sein, wenn sie feucht sind, lässt die Wirksamkeit ebenfalls nach. Die empfundene Schutzwirkung entspricht nicht dem tatsächlichen Wirkungsgrad, weshalb wir diese nicht empfehlen. Masken sollten vielmehr weiterhin so wie auch bislang verwendet werden, zum Beispiel bei Arbeiten im Staub.

Was können Arbeitgeber konkret noch tun, um ihre Beschäftigten zu schützen?

In Zeiten einer gewissen Unsicherheit kommt es vor allem darauf an, mit den Beschäftigten umfassend zu kommunizieren und klare Regelungen zu treffen. Für fachliche Informationen können die Unterweisungen im Umgang mit Materialien, Gefahrstoffen und Werkzeugen genutzt werden. Der Arbeitsmedizinische Dienst (AMD) der BG BAU GmbH und die BG BAU bieten eine Vielzahl von Informationsmaterialien an, die diese Kommunikation unterstützen können.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können vom Arbeitgeber aufgefordert werden, bei Erkältungskrankheiten und Unwohlsein zu Hause zu bleiben. Grundsätzlich sollte in der momentanen Situation bei allen Besprechungen und Terminen die telefonische Absprache der persönlichen vorgezogen werden. Betriebliche Versammlungen sollten bei Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern kritisch reflektiert und wenn möglich verschoben werden.

Wie sollte mit Ängsten und Sorgen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umgegangen werden? Was kann der Arbeitgeber tun, wenn Beschäftigte die Arbeit in bestimmten Situationen verweigern?

Vor allem kommt es darauf an, den Beschäftigten zuzuhören und Sorgen ernst zu nehmen. Das ist ganz wesentlich. Die Unternehmensführung ist gut beraten, selbst ruhig und besonnen zu agieren und auf die Beschäftigten einzugehen. Risikoszenarien, wie sie teilweise medial auftreten, sollten nicht weiter verstärkt werden. Allerdings kann die aktuelle Situation große Ängste auslösen. Doch es gilt: Beschäftigte sind grundsätzlich verpflichtet, ihre Arbeitsaufgaben auszuführen. In Ausnahmefällen kann der Beschäftigte die Arbeit jedoch verweigern, zum Beispiel bei offensichtlichen Gefahrensituationen.

Welche Leistungen bietet der AMD der BG BAU derzeit den Mitgliedsunternehmen der BG BAU, um in der momentanen Situation zu unterstützen?

Grundsätzlich ist es die Aufgabe des AMD der BG BAU, die Unternehmen zu Fragen des Gesundheitsschutzes zu beraten. In diesem Zusammenhang unterstützt der AMD der BG BAU Unternehmen und Versicherte auch im Zusammenhang mit aktuellen Fragestellungen zum Coronavirus zu Präventionsmaßnahmen am Arbeitsplatz. Informationen zu Hygienemaßnahmen und „Pandemie-Checklisten“ können jederzeit zur Verfügung gestellt werden, um unsere Mitgliedsbetriebe bei Maßnahmen ganz konkret zu helfen. Tests, ob Corona vorliegt oder nicht, werden allerdings von den regionalen Gesundheitsämtern durchgeführt.

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Sie haben ein Anliegen? Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Servicehotline helfen Sie Ihnen gern!

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