Die Chefin oder der Chef muss in Quarantäne – was ist zu tun?

Cornelia Crämer

Bildquelle: Photografic Berlin

Um einen Betrieb auch bei Abwesenheit der Chefin oder des Chefs sicher und verlässlich am Laufen zu halten, ist die richtige Vorbereitung das A und O. Cornelia Crämer, Arbeitspsychologin der BG BAU, gibt Tipps zu guter Führung und Unternehmenskultur während der Corona-Pandemie und auch für die Zeit danach.

Wie können Unternehmerinnen und Unternehmer für den Fall vorsorgen, dass sie selbst in Quarantäne müssen?
Cornelia Crämer:
Ein Gedankenspiel kann helfen: Unternehmerinnen und Unternehmer sollten überlegen, wie das beste und wie das schlechteste Szenario für den weiteren Betrieb ihrer Firma aussehen könnte. Davon ausgehend lassen sich Maßnahmen zur Anpassung der Arbeitsorganisation ergreifen, die im Fall der Quarantäne umgesetzt werden. Dabei lautet die Grundidee, den Betrieb so zu organisieren, dass er auch ohne die tägliche Anwesenheit der Unternehmerin oder des Unternehmers erfolgreich und sicher weiterläuft.

Was lässt sich dafür konkret tun?
Cornelia Crämer:
Es ist sehr ratsam, mit den Führungskräften und den Arbeitsschutzbeauftragten entsprechende Notfallpläne vorzubereiten und abzusprechen. Wer Beschäftigte in verantwortungsvolle Aufgaben einarbeitet und ihnen bestimmte Zuständigkeiten überträgt, kann sich damit ebenfalls gut wappnen. Um die Kommunikation aufrechtzuerhalten, müssen ausreichend Smartphones, Laptops oder andere mobile Arbeits- und Kommunikationsmittel zur Verfügung stehen. Ein Probetag im Homeoffice hilft herauszufinden, ob alles gut funktioniert.

Welche Ratschläge geben Sie für die Quarantäne selbst?
Cornelia Crämer:
Wichtig ist es zunächst, klar und transparent über die aktuelle Situation zu informieren – die Kommunikation sollte sich an alle Beschäftigten und insbesondere die Führungskräfte richten. Auch kann es hilfreich sein, zusätzliche Unterstützung zu mobilisieren. Zum Beispiel könnten Teilzeitbeschäftigte gebeten werden, ihre Stundenzahl zu erhöhen, Fachkräfte aus der Rente zurückgeholt oder andere Firmen um Unterstützung angefragt werden. Es kommt vor allem darauf an, die Arbeit gut auf die verfügbaren Beschäftigten zu verteilen. Damit das gelingt, braucht es klare Anweisungen der Verantwortlichen. Aber es ist auch wichtig, die Belegschaft zu befragen, ob und wie das aktuelle Arbeitsaufkommen zu bewältigen ist. Verantwortliche sollten außerdem darauf achten, dass die Beschäftigten neue Arbeitsaufträge richtig verstehen. Kommt es zu Verzögerungen bei Aufträgen, sollten Kundinnen und Kunden frühzeitig informiert werden.

Wie gelingt gute Mitarbeiterführung in der anhaltenden Pandemie?
Cornelia Crämer:
Entscheidend ist, dass die praktischen Regeln zum Arbeitsschutz in der Corona-Pandemie allen vertraut sind, genauso wie die Abläufe im Falle einer Infektion im Betrieb. Wer darüber hinaus die bewährte Unternehmenskultur beibehält und Betriebstraditionen flexibel fortführt, kann die Belegschaft emotional stabilisieren. Verantwortliche im Unternehmen sollten auch ein offenes Ohr für psychische Probleme ihrer Beschäftigten in der gegenwärtigen Situation haben. Wer seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gut führen will, sollte gerade jetzt darauf achten, Überbelastungen zu vermeiden und wenn nötig das Arbeitsvolumen reduzieren. Dadurch wird es den Beschäftigten ermöglicht, auch bei verminderter Konzentration weiterhin sicher zu arbeiten.

Was ist langfristig, auch nach der Corona-Pandemie, wichtig?
Cornelia Crämer:
Die vielschichtigen, gerade auch emotionalen Belastungen im Zuge der monatelangen Pandemie können dazu führen, dass Personal ausfällt. Wer das bei der Arbeitsplanung von vorneherein berücksichtigt, fährt gut. Gibt es Solidarität im Team, kann das die Krise einzelner Beschäftigter mildern. Und klar: Ein Ausflug oder Fest nach dem Ende der Pandemie kann die Unternehmenskultur stärken und Dankbarkeit ausdrücken, dass in der Krise alle an einem Strang gezogen haben. Bis dahin gilt es, durchzuhalten und auch mögliche Rückschläge durch die Pandemie möglichst gelassen hinzunehmen – ein großes Stück der Krise haben wir bereits bewältigt!

Interview: Andreas Koob - BG BAU

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