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BG BAU macht mobil gegen Lärm

Lärmschwerhörigkeit ist die häufigste Berufskrankheit. Die BG BAU informiert den Baunachwuchs bundesweit mit praktischen Aktionen. / 28. Mai 2015

Hörschäden häufigste Berufskrankheit - vor allem junge Beschäftigte gefährdet, 28. Mai 2015

„Lärm - voll nervig“, so lautet das Motto des Tages gegen Lärm 2015. Der Slogan spricht zahlreiche Bauleute an, denn an vielen Arbeitsplätzen ist es so laut, dass die Gesundheit der Beschäftigten leidet. Lärmschwerhörigkeit ist die häufigste Berufskrankheit. Besonders gefährdet sind junge Beschäftigte, die sich in der Freizeit zusätzlich Lärm durch Musik aussetzen, die nicht leiser ist als Baulärm. Die Klänge ihrer Lieblingsbands allerdings finden Jugendliche gar nicht nervig. Doch kann sich das Gehör so nicht mehr erholen. Deshalb nimmt die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) den Tag gegen Lärm zum Anlass und informiert den Baunachwuchs bundesweit mit praktischen Aktionen in ihren Ausbildungszentren über das Lärm-Risiko und Maßnahmen zur Prävention.

BG BAU Auszubildende prüfen mit Messgeräten die Lärmbelästigung an Handmaschinen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Lärmschwerhörigkeit verursacht nach asbestbedingten Erkrankungen und Hautkrankheiten die meisten Kosten. Rund 118 Millionen Euro zahlten die Gewerblichen Berufsgenossenschaften 2013 für die Behandlung lärmbedingter Berufserkrankungen und Renten an fast 39.700 Lärmgeschädigte. Allein die BG BAU zahlte im gleichen Jahr über 17 Millionen Euro an mehr als 6.200 Betroffene. Fast die Hälfte (47 Prozent) aller Berufskrankheiten haben Hörschäden als Ursache. Diese Zahlen machen deutlich, dass die Beschäftigten künftig noch wirksamer gegen Lärm geschützt werden müssen, betont die BG BAU.

Ein Bohrhammer erreicht zum Beispiel über 100 Dezibel (dB (A)) und wer ungeschützt einem Schallpegel über 85 Dezibel ausgesetzt ist, kann unheilbare Schäden davontragen, die sich schleichend im Laufe von Jahren einstellen. Wenn es noch lauter wird, etwa bei einem Knall von 140 Dezibel bei Richtarbeiten, sind Hörschäden sofort möglich. Deshalb sind betreffende Arbeitsplätze ab einer durchschnittlichen täglichen Lärmbelastung von 85 Dezibel als Lärmbereiche zu kennzeichnen. Arbeitgeber haben hier technische und organisatorische Maßnahmen zu treffen. Die Fachleute der BG BAU unterstützen die Betriebe bei der Auswahl lärmgeminderter Anlagen und Maschinen, zum Beispiel lärmreduzierte Sägen oder Trennscheiben.

Denn an erster Stelle steht der Lärmschutz an der Quelle, durch den Einsatz möglichst leiser Maschinen und Werkzeuge. Sind alle Möglichkeiten ausgeschöpft, müssen die Lärmquellen gedämmt oder eingekapselt werden. Erst wenn Lärm nicht zu vermeiden ist, kommt persönliche Schutzausrüstung, wie Gehörschutzkapseln oder Gehörschutzstöpsel, zum Einsatz. Übersteigt der Lärmpegel den Wert von 80 Dezibel, sind die Betriebe in der Pflicht, Gehörschutz bereitzustellen, der von den Beschäftigten auch getragen werden muss. Darüber hinaus kann jeder Arbeitnehmer an einem kostenlosen Hörtest des Arbeitsmedizinisch-Sicherheitstechnischen Dienstes (ASD der BG BAU) teilnehmen. So sieht man frühzeitig, ob sich eine Lärmschwerhörigkeit entwickelt.

Dabei könnten die Erkrankungszahlen in den kommenden Jahren noch ansteigen, denn im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge des ASD der BG BAU zeigen sich bei vielen jüngeren Beschäftigten, die in Lärmbereichen arbeiten, schon zu Beginn ihrer Berufstätigkeit erste Anzeichen einer Lärmerkrankung. Neben beruflichen dürften auch private Belastungen wie lauter Musikkonsum eine Rolle spielen. Daraus folgt laut BG BAU, dass der Gesundheitsschutz gerade in jungen Jahren wichtig ist. In den Betrieben werden deshalb die Arbeitgeber darauf hingewiesen, wie sie ihre Beschäftigten schützen können und neben älteren Arbeitnehmern beraten die Betriebsärzte im ASD der BG BAU besonders auch den Branchennachwuchs.

Während des Aktionstages informierten Fachleute der Abteilung Prävention und Arbeitsmediziner des ASD der BG BAU die Auszubildenden gezielt und praxisnah über Lärmgefahren in Beruf und Freizeit. Bei Schallmessungen direkt an ihren Lernorten erfuhren sie, dass der Lärm von Winkelschleifern, Bohrhämmern und Handkreissägen über 85 Dezibel liegt. Ohne Gehörschutz geht gar nichts. Eine Überraschung gab es beim Messen des Schallpegels einer Auto-Musikanlage: Dort können Schallpegel über 100 Dezibel auftreten.

Hier zeigt sich schon das Problem: Wenn junge Leute Arbeitslärm ausgesetzt sind und auch in der Freizeit keine Lärmpause eintritt, fehlt dem Gehör die notwendige Regeneration und es kann noch schneller zu Gehörschäden kommen. Die Beats in Clubs, Konzerten und Diskotheken erreichen locker 110 Dezibel und mehr. MP3-Player und Handys ohne Pegelbegrenzung kommen leicht auf 90 Dezibel. Und wer etwa bei einem Musikevent 2,5 Stunden einem Schallpegel von 104 Dezibel ausgesetzt ist, fährt die gleiche Lärmdosis ein, wie jemand, der 40-Stunden lang ungeschützt 92 Dezibel ertragen musste. Die Schwerhörigkeit oder ein Tinnitus sind vorprogrammiert.

Die Zunahme von Hörstörungen bereits bei Kindern und Jugendlichen ist inzwischen „eindeutig belegt“, wie die Bundesärztekammer Ende 2014 feststellte. Schon 2013 wurde im Rahmen der OHRKAN-Studie im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit festgestellt, dass etwa ein Viertel aller jugendlichen Nutzer ihre Abspielgeräte so laut und häufig einstellt, dass langfristig das erhöhte Risiko eines Hörverlustes besteht. Jetzt haben erste Ergebnisse einer Nacherhebung aus den Jahren 2012 bis 2014 ergeben, dass die Belastung durch Freizeitlärm noch zugenommen hat.

Ständiger Lärm kann zu Herz- und Kreislaufproblemen führen und Forscher der Universität Münster haben in einer Studie nun Anzeichen dafür gefunden, dass durch die lauten Geräusche sogar Nervenzellen geschädigt werden. Insofern ist „Lärm - voll nervig“. Das machen die Experten der BG BAU im Laufe des Aktionstages deutlich.

 

 
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