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BG BAU aktiv gegen Lärm

Beschäftigte am Bau von Hörschäden betroffen - Baunachwuchs mit hohem Risiko / 29. Juli 2011

Beschäftigte am Bau von Hörschäden betroffen - Baunachwuchs mit hohem Risiko / 29. Juli 2011

Lärmschwerhörigkeit ist die Berufskrankheit Nummer Eins in der Bauwirtschaft. Für nahezu die Hälfte der anerkannten Berufskrankheiten am Bau ist Lärm die Ursache. Erschreckend: Viele Jugendliche starten schon mit Hörproblemen in die Berufswelt. Den Tag gegen Lärm nimmt die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) deshalb zum Anlass, in ganz Deutschland Auszubildenden vom Bau Lärmgefahren mit praktischen Aktionen vor Augen zu führen. Seit dem 27. April 2011 vermitteln Fachleute der BG BAU jungen Bauleuten direkt in ihren Ausbildungszentren, wie man Gehörschäden vorbeugen kann.

"Ein Drittel der Jugendlichen wird nach neuesten Erkenntnissen mit 50 Jahren wahrscheinlich ein Hörgerät benötigen", schätzt Dr. Anette Wahl-Wachendorf, Präsidiumsmitglied des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte und Leiterin des Arbeitsmedizinisch-Sicherheitstechnischen Dienstes der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (ASD der BG BAU). Untersuchungen zeigen zudem, dass jeder vierte Jugendliche heute kein wirklich intaktes Gehör mehr hat. Vor allem durch das Freizeitverhalten schädigen Jugendliche ihr Hörvermögen schon vor Eintritt ins Berufsleben.

Dabei ist laut gleich laut, ob Musik oder Arbeitsgeräusche - die schädigende Wirkung bleibt die gleiche. Und wo Baumaschinen und Werkzeuge eingesetzt werden, entsteht Lärm. Kreissäge, Schlagbohrer oder Flex erzeugen Lärmpegel um 100 Dezibel (dB (A)). Ab einer durchschnittlichen Belastung pro Arbeitsschicht von 85 Dezibel können die Haarzellen im Innenohr ohne Schutz unheilbar geschädigt werden. Bei einem Knall von 137 Dezibel, zum Beispiel durch ein Bolzensetzwerkzeug, können Schäden sofort eintreten. Lärmspitzen dieser Stärke werden von den Fachleuten in dB (C) ausgedrückt.

Wenn junge Leute solchem Arbeitslärm ausgesetzt sind und dann in der Freizeit keine Lärmpause eintritt, beispielsweise wegen intensivem und lautem Musikkonsums, wird die Situation noch brisanter. Die Beats in der Disko erreichen locker 100 dB (A). MP3-Player ohne Pegelbegrenzung kommen leicht auf 90 dB (A) und mehr. Und Rockkonzerte erreichen oft Werte zwischen 110 und 120 dB (A). Schon wer sich beispielsweise in Live-Konzerten 2,5 Stunden einem Lärmpegel von 104 dB (A) aussetzt, erhält die gleiche Lärmdosis wie bei 40 Arbeitsstunden mit 92 dB (A).

Durch dieses Freizeitverhalten junger Leute kann sich die Problemlage zuspitzen, die schon gegenwärtig in der Statistik zum Ausdruck kommt: Über 138 Millionen Euro zahlten die gewerblichen Berufsgenossenschaften im Jahr 2009 für Heilbehandlungen, Rehabilitationen und Renten an mehr als 46.000 Lärmgeschädigte. Allein die BG BAU zahlte in dem Jahr für die gleichen Zwecke 18,5 Millionen Euro an rund 6.500 Geschädigte. Noch mehr Kosten verursachen nur asbestbedingte Erkrankungen und Hautkrankheiten.

Bei den Aktionstagen zum Tag gegen Lärm in den Ausbildungszentren der Bauwirtschaft informierten Fachleute der BG BAU den Baunachwuchs deshalb praxisnah über Lärmgefahren und Möglichkeiten zur Prävention: Bei Vergleichsmessungen erfuhren die Auszubildenden zum Beispiel, dass der Lärm von Rüttelplatten, Winkelschleifern oder Bohrhämmern oft weit über 85 dB (A) liegt. Auch bei kurzen Einsätzen ist dort Gehörschutz zu tragen.

Wie die jungen Leute beim Schallmessen der Musikanlagen privater Pkws feststellten, können im Auto Schallpegel über 100 dB (A) auftreten. Aus Sicht der Jugendlichen stellt Musik meist keinen Lärm dar und wird deshalb oft zu laut eingestellt.

"Lärm trennt", auch das Motto des Tages gegen Lärm 2011 brachten die Fachleute der BG BAU bei den Aktionen in den Ausbildungszentren zur Sprache: Lärm trennt Menschen mit Hörschäden von Gesunden: Wenn Betroffene Hinweise von Vorgesetzten und Kollegen schlecht hören, kommt es zu fachlichen Problemen und Fehlern. Überhören sie Warnsignale auf der Baustelle, haben sie ein größeres Unfallrisiko. Lärmschäden haben oft Herz- und Kreislaufprobleme zur Folge: Das hat Auswirkungen in Beruf und Freizeit.

Deshalb haben die Fachleute der BG BAU gute Gründe aktiv zu werden, durch Aktionen mit dem Nachwuchs und bei ihren Beratungen in den Baubetrieben. Sie informieren die Unternehmer über ihre Pflicht, Lärmbereiche ab einer Belastung von 85 dB (A) zu kennzeichnen. Wird dieser Wert überschritten, sind technische und organisatorische Maßnahmen zu ergreifen. Das kann der Einsatz lärmarmer Werkzeuge sein - soweit diese im Handel angeboten werden - oder sonst die Trennung von lauten und leisen Arbeitsbereichen. Nach der geltenden Lärm- und Vibrationsverordnung haben die Betriebe Gehörschützer bereitzustellen, wenn der Lärmpegel den unteren Auslösewert von 80 dB (A) übersteigt. Beschäftigte müssen den Gehörschutz konsequent tragen.

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