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Risiken für Auszubildende besonders hoch

BG BAU warnt vor Hörschäden | 13. Juni 2017

BG BAU warnt vor Hörschäden | 13. Juni 2017

Kreissägen, Presslufthämmer und dröhnende Maschinen erreichen auf vielen Baustellen hohe Lärmpegel: Wer sich nicht schützt, wird krank. Lärmschwerhörigkeit ist die häufigste anerkannte Berufskrankheit in der Bauwirtschaft. Deshalb startete die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) am Tag gegen Lärm 2017 zusammen mit dem Branchennachwuchs praktische Aktionen direkt in den Ausbildungszentren. Dabei schärften die Fachleute der BG BAU das Bewusstsein der Jugendlichen über Lärmrisiken in Beruf und Freizeit und informierten über Schutzmaßnahmen. Denn sicheres Verhalten lohnt sich für alle Beschäftigten und ihre Familien: Das ist auch die Kernbotschaft des Präventionsprogramms der BG BAU „Bau auf Sicherheit. Bau auf Dich“, dessen Bestandteil die Aktionen zum Tag gegen Lärm sind.

BG BAU Tag gegen Lärm 2017 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Thomas Lucks - BG BAU

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Maschinen und Werkzeuge am Bau sind laut: Schwere Fahrzeuge oder Kompressoren zum Beispiel kommen auf 90 Dezibel (dB(A)). Baukreissägen und Schlagbohrmaschinen erreichen über 100 dB (A). Wer ungeschützt und über längere Zeit einem Schallpegel über 85 dB (A) ausgesetzt ist, kann unheilbare Schäden davon tragen. Arbeitsstellen mit solchen Lärmpegeln sind deshalb laut BG BAU als Lärmbereiche zu kennzeichnen. Technische und organisatorische Maßnahmen sind dort notwendig, um Lärm zu mindern.

Beim technischen Standard hat sich in den vergangenen Jahren viel bewegt. So haben Hersteller viele lärmreduzierte Arbeitsmittel auf den Markt gebracht. Beispiele sind Geräusch reduzierte Diamanttrennscheiben für Steinsägen, Spezialzangen für leisere Abbrucharbeiten oder schallgedämmte Sägeblätter für Kreissägen. Sinnvoll sind oft auch mobile Schallschutzwände und Schallschutzkapseln  Eine organisatorische Maßnahme kann es sein, Lärmbereiche von ruhigeren Arbeitsbereichen räumlich oder zeitlich zu trennen.

Doch nicht überall werden solche Möglichkeiten genutzt und immer noch ist die „Akustische Vielfalt“, so das Motto des Tages gegen Lärm 2017, auf vielen Baustellen viel zu lautstark. Wenn Lärm nicht vermieden werden kann, kommt persönlicher Gehörschutz zum Einsatz. Ab einer durchschnittlichen Lärmbelastung an einem achtstündigen Arbeitstag von 80 dB(A) - das entspricht starkem Straßenverkehr oder einem vorbeifahrenden LKW - haben Arbeitgeber ihren Beschäftigten geeigneten Gehörschutz bereitzustellen. Die Beschäftigten müssen ihn ab 85 dB(A) tragen, so die BG BAU.

Dass Schutzmaßnahmen dringend geboten sind, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Deutschlandweit sind etwa fünf Millionen Beschäftigte schädigendem Lärm ausgesetzt, teilt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin mit. Die gewerblichen Berufsgenossenschaften zahlten 2015 fast 117 Millionen Euro an Heilbehandlungen, Rehabilitation und Renten für nahezu 39.000 Lärmgeschädigte. Allein die BG BAU hatte im gleichen Jahr über 17 Millionen Euro für über 6.000 Lärmgeschädigte aufzubringen.

Dabei stellt sich Lärmschwerhörigkeit schleichend und über längere Zeit ein und wird von den Betroffenen zunächst nicht wahrgenommen. Erste Anzeichen lassen sich aber durch Gehörtests des Arbeitsmedizinisch-Sicherheitstechnischen Dienstes (ASD der BG BAU) erkennen, an denen Berufstätige kostenlos teilnehmen können.

Fatal ist, dass die Zahl der Geschädigten in den kommenden Jahren noch anwachsen kann. Grund: Gerade junge Leute setzen sich auch in der Freizeit großem Lärm aus. Mehrere Studien, etwa die OHRKAN-Studie des Universitätsklinikums Regensburg von 2015/2016 und Erhebungen der Hals-Nasen-Ohrenärzte, haben festgestellt, dass die Musik-Hörgewohnheiten von Jugendlichen die Gefahr eines lärmbedingten Hörschadens bergen. Auch der ASD der BG BAU stellt immer wieder fest, dass manche Jugendliche schon am Beginn ihrer Ausbildung über ein nicht mehr ganz intaktes Gehör verfügen.

Für junge Beschäftigte vom Bau sind die Risiken, nach einigen Berufsjahren eine Lärmschwerhörigkeit davon zu tragen, besonders hoch: Laute Musik in Clubs, Konzerten, mobilen Abspielgeräten oder wummernden Bass-Boxen im Auto erreichen locker Schallpegel von 90 bis 100 dB (A). Bei solchen Lautstärken leidet das Gehör schon nach 15 Minuten wie nach einem achtstündigen Arbeitstag mit einer Belastung von 85 dB (A). Das Gehör aber macht keinen Unterschied zwischen Lärm in Beruf und Freizeit. Wird es zu oft und zu lange hohem Schall ausgesetzt, können sich die Hörsinnzellen im Innenohr nicht mehr regenerieren. Folge ist ein irreparabler Hörschaden.

Deshalb informieren die Fachleute der BG BAU die Auszubildenden während des Aktionstages praxisnah über Lärmgefahren in Beruf und Freizeit. Direkt an ihren Lernorten erfahren sie, dass der Lärm von Handkreissägen, Winkelschleifern und Elektro-Bohrhämmern über 85 dB (A) liegt. Ohne Gehörschutz geht da nichts.

Dabei sind die Aktionen der BG BAU zum Tag gegen Lärm in den Rahmen des über mehrere Jahre angelegten Präventionsprogramms „Bau auf Sicherheit. Bau auf Dich“ eingebettet. Ziel des Programms ist es, die Beschäftigten der Bauwirtschaft insgesamt stärker für die Belange des Arbeitsschutzes zu sensibilisieren. Der Arbeitsschutz soll als Bestandteil des alltäglichen Handelns etabliert werden, denn ganzheitliche Prävention lässt sich nicht auf das Einhalten von Regelwerken beschränken. Daher liegt der Fokus des Programms auf dem individuellen Verhalten der Beschäftigten.

 
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Joachim Förster

Joachim Förster
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