GISBAU
WINGIS
Produktgruppen
Publikationen
Fachthemen
Sicherheitsdatenblatt
Servicebereich
 
e-learning A - Z Explosionsgefahr

Explosionsgefahr

Explosionsgefahr

Es wird zwischen explosionsgefährlichen Stoffen und Zubereitungen/Gemischen und explosionsfähigen Gas/Dampf/Staub-Gemischen und Gas/Dampf/Staub-Luft-Gemischen unterschieden.
Staubexplosionen (explosionsfähige Staub-Luft-Gemische) werden gesondert beschrieben.

1. Explosionsgefährlich (explosiv)
 

Definition:

Explosionsgefährlich nach Gefahrstoffverordnung (GefStoffV):
Feste, flüssige, pastenförmige oder gelatinöse Stoffe und Zubereitungen, die auch ohne Beteiligung von Luftsauerstoff exotherm und unter schneller Entwicklung von Gasen reagieren können und die unter festgelegten Prüfbedingungen detonieren, schnell deflagrieren oder beim Erhitzen unter teilweisem Einschluss explodieren.

Messverfahren der Explosionsgefährlichkeit (Empfindlichkeit):

Ob Flüssigkeiten oder Feststoffe explosiv sind, wird durch die Bestimmung der thermischen (feste und pastöse Stoffe, Flüssigkeiten) und mechanischen Empfindlichkeit (Flüssigkeiten) festgestellt. Bei der mechanischen Empfindlichkeit wird zwischen Schlag und Reibung unterschieden.
Bei der thermischen Empfindlichkeit wird die Prüfsubstanz in einer Stahlhülse erhitzt, die durch Düsenplatten mit Öffnungen verschiedenen Durchmessers verschlossen ist. Auf diese Weise wird bestimmt, ob der Stoff unter intensiver thermischer Beanspruchung durch Flammenzündung bei definiertem Einschluss explodieren kann.
Bei der mechanischen Empfindlichkeit durch Schlag wird die Prüfsubstanz dem Schlag eines festgelegten Fallgewichtes aus einer festgelegten Höhe ausgesetzt.
Bei der mechanischen Empfindlichkeit durch Reibung werden feste oder pastenförmige Substanzen der Reibung zwischen standardisierten Oberflächen unter festgelegten Bedingungen der Belastung und der relativen Bewegung ausgesetzt.

Geeignete Prüfmethoden:

Das Messverfahren zur Bestimmung der Explosionsgefahr von Feststoffen und Flüssigkeiten (thermische und mechanische Empfindlichkeit) ist in der Prüfmethoden-Verordnung (EG) Nr.440/2008, Teil A, Methode A.14 beschrieben. Auf diese Methode wird weiterhin in europäischen Rechtsvorschriften wie die Seveso-III-Richtlinie (RL 2012/18/EU) und in nationalen Vorschriften wie in der Störfall-Verordnung und dem Sprengstoffgesetz Bezug genommen.

Als Prüfmethode zur Einstufung nach CLP-Verordnung kann die Methode A.14 nicht mehr verwendet werden. Dort werden Prüfungen gemäß der UN-Prüfserien 2 und 3 aus dem Gefahrgut-Recht (UN-Empfehlungen für die Beförderung gefährlicher Güter, Handbuch über Prüfungen und Kriterien) gefordert.

Angabe im Sicherheitsdatenblatt:

Es sollten explosive Stoffe mit deren Eigenschaften, d.h. Explosion durch Schlag, Reibung (mechanische Empfindlichkeit) oder durch Flammenzündung (thermische Empfindlichkeit) genannt werden.

Einstufung und Kennzeichnung:

Gemäß CLP-Verordnung werden explosive Stoffe und Gemische in die Gefahrenklasse „Explosive Stoffe/Gemische und Erzeugnisse mit Explosivstoff“ mit den Kategorien Instabil, explosiv und die Unterklassen 1.1, 1.2, 1.3, 1.4, 1.5 und 1.6 eingestuft. Bis auf die Unterklassen 1.5 und 1.6 (beide ohne Gefahrenpiktogramm) werden sie mit dem Gefahrenpiktogramm „explodierende Bombe“ (GHS01) gekennzeichnet.

Gemäß Stoff- und Zubereitungsrichtlinie (seit 1.6.2015 außer Kraft gesetzt!):
Stoffe und Zubereitungen werden nach Stoff-Richtlinie RL 67/548/EWG als explosionsgefährlich eingestuft und mit dem Gefahrensymbol »E« und der Gefahrenbezeichnung »explosionsgefährlich« gekennzeichnet, sofern die Stoffe und Zubereitungen in der Form, in der sie in den Verkehr gebracht werden, explosionsgefährlich sind.

Änderungen: CLP-Verordnung gegenüber Stoff- bzw. Zubereitungs-Richtlinie:

  • Die Bezeichnung „explosionsgefährlich“ entfällt.

  • Die CLP-Verordnung unterscheidet 7 Kategorien bei den „Explosiven Stoffen/Gemische und Erzeugnissen mit Explosivstoff“.
  • Die zu verwendenden Prüfverfahren sind andere als in der Prüfmethodenverordnung beschrieben. In der CLP-Verordnung sind Methoden aus dem Gefahrguttransport aufgeführt.

2. Explosionsfähige Gemische
 

Definition:

Explosionsfähige Gemische nach Gefahrstoffverordnung (GefStoffV):
Ein »explosionsfähiges Gemisch« ist ein Gemisch aus brennbaren Gasen, Dämpfen, Nebeln oder Stäuben, in dem sich der Verbrennungsvorgang nach erfolgter Zündung auf das gesamte unverbrannte Gemisch überträgt.
Ein »gefährliches explosionsfähiges Gemisch« ist ein explosionsfähiges Gemisch, das in solcher Menge auftritt, dass besondere Schutzmaßnahmen für die Aufrechterhaltung der Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten oder anderer Personen erforderlich werden (gefahrdrohende Menge).
»Explosionsfähige Atmosphäre« ist ein explosionsfähiges Gemisch unter atmosphärischen Bedingungen im Gemisch mit Luft.

Geeignete Prüfmethoden:

Es gibt verschiedene sicherheitstechnische Kenngrößen, um die Explosionsfähigkeit von Stoffen und Zubereitungen zu beurteilen, wie z.B.: 

Explosionsgrenzen/-bereich

Flammpunkt (Flüssigkeiten)

Abbrandzeit (Feststoffe)

Zündtemperatur

Brennpunkt

Selbstentzündungstemperatur (Feststoffe)

Sauerstoffgrenzkonzentration 

Die Prüfmethoden für die einzelnen sicherheitstechnischen Kennzahlen sind in den entsprechenden Kapiteln angegeben. 

Einstufung und Kennzeichnung:

Gemäß CLP-Verordnung Anhang II Teil 1 sind ergänzende EUH-Sätze für explosionsfähige Stoffe und Gemische aufgeführt.

Gemäß Stoff- und Zubereitungsrichtlinie (seit 1.6.2015 außer Kraft gesetzt!):
In der Stoffrichtlinie RL 67/548/EWG, Anhang VI, Kapitel 2.2.6 sind zusätzliche R-Sätze für Explosionsgefahren mit den entsprechenden Kriterien angegeben. 

Angabe im Sicherheitsdatenblatt:

Unter Explosionsgefahr werden Hinweise auf Gefahren einer Explosion und deren mögliche Auslöser gegeben. Es ist auf die Möglichkeit der Bildung explosionsfähiger Staub-/Luftgemische hinzuweisen. 

Literatur:

Eine gute Übersicht über die Grundlagen der sicherheitstechnischen Kenngrößen bietet das Merkblatt R003 der BG RCI.
Sicherheitstechnische Kenngrößen für brennbare Flüssigkeiten und Gase, Stäube und deren Gemische sind in der kostenpflichtigen Datenbank CHEMSAFE abrufbar.
Weitere Informationen zum Explosionsschutz sind bei der physikalisch technischen Bundesanstalt (PTB) erhältlich. 

Tipps:

Für den Umgang mit Stoffen oder Gemischen, die mit Luft eine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre bilden können, gelten die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) und die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Kann die Bildung einer gefährlichen explosionsfähigen Atmosphäre nach Gefahrstoffverordnung mit den im Anhang III Nr.1 „Brand- und Explosionsgefahren“ angegebenen Schutzmaßnahmen nicht sicher ausgeschlossen werden, dann müssen die Maßnahmen nach Betriebssicherheitsverordnung ergriffen werden. Die Technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS) konkretisieren die Betriebssicherheitsverordnung hinsichtlich der Ermittlung und Bewertung von Gefährdungen sowie der Ableitung von geeigneten Maßnahmen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
Kontakt

BG BAU - GISBAU
Hungener Str. 6
60389 Frankfurt am Main
Telefon: 069 4705-279

E-Mail