Weil sie sich hervorragend verarbeiten
lassen, haben Epoxidharze seit rund zehn Jahren in immer mehr
Bau-Gewerbezweigen Einzug gehalten. Nun schlagen die
Berufsgenossenschaften der Bauwirtschaft Alarm. Grund: Epoxidharze sind
bei Männern der Bauwirtschaft zum zweithäufigsten
Auslöser beruflich bedingter allergischer Hautkrankheiten
geworden. "Die Folgen sind menschliches Leid und sprunghaft
angestiegene Kosten in Höhe von vielen Millionen Euro in den
letzten fünf Jahren. Doch es gibt Alternativen und
Möglichkeiten zum richtigen Umgang." Das sagte Jutta Vestring,
designiertes Geschäftsführungsmitglied der ab Mai
2005 vereinigten Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft und derzeit in
der Arbeitsgemeinschaft der Bau-Berufsgenossenschaften für die
gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit kürzlich in
Frankfurt am Main.
Die Zahl schwerster Erkrankungen durch die Verarbeitung von
Epoxidharzen in allen Branchen der gewerblichen Wirtschaft steigt
rapide an. Jedes Jahr werden Hunderte von Berufserkrankungen auf Grund
dieses Baustoffes neu anerkannt. Über 60 Prozent der
Betroffenen kommen vom Bau.
Noch vor zehn Jahren wurden Epoxidharze nur in "Nischen", bei der
Betonsanierung und der Beschichtung von
Industriefußböden eingesetzt. Seitdem wird der Stoff
wegen seiner Chemikalienbeständigkeit und dem hohen
Haftungsvermögen in immer mehr Gewerbezweigen verarbeitet.
Ein typisches Beispiel: Seit kurzem werden Epoxidharze als
Fugenmörtel für Kopfsteinpflaster verwendet, damit
die Flächen mit der Kehrmaschine gereinigt werden
können. Verbreitet ist der Stoff auch beim Einbau von
Fliesenbelägen, etwa in Schwimmbädern,
Autowaschanlagen oder Brauereien. Ebenso werden Epoxidharze zunehmend
als dekorative Fußbodenbeschichtung in Büros sowie
Wohn- und Geschäftshäusern eingesetzt.
In vielen Betrieben indessen sind die besonderen Gefährdungen
mit dem Umgang von Epoxidharzen nicht bekannt. Es sind vor allem darin
enthaltene Bisphenol-Harze, Reaktiv-Verdünner und Amine, die
bereits nach wenigen Tagen eine schlimme Hautallergie an
Händen, auch am Gesicht sowie an allen unbedeckten
Körperteilen auslösen können.
Dabe entsteht die Erkrankung nur beim direkten Hautkontakt, zum
Beispiel durch Spritzer beim Mischen, durch Sprenkel an den Griffen von
Arbeitsgeräten oder durch verschmutzte Arbeitskleidung.
Ist die Haut erst einmal sensibilisiert, reagiert der Betroffene auch
mit bester Schutzausrüstung beim geringsten Kontakt mit
Epoxidharzen sofort. Ein Allergieschub kann selbst dann
ausgelöst werden, wenn der Beschäftigte gar nicht
mehr mit dem Stoff hantiert, sich aber in Räumen
aufhält, in denen Epoxidharz verarbeitet wird. Wer einmal
erkrankt ist, wird in der Regel den Beruf wechseln müssen.
Es sei daher nicht erstaunlich, dass die durch Epoxidharzeinsatz bei
den Berufsgenossenschaften angefallenen Kosten im Jahr 2003 fast 1,6
Millionen Euro betragen haben, davon 1,3 Millionen Euro für
die berufliche Rehabilitation und Renten. Das heißt, diese
Versicherten müssen ihren Beruf aufgeben. Und der Trend ist
stark ansteigend.
Ersetzt werden können Epoxidharze in allen Bereichen, in denen
sie zu dekorativen Zwecken verwendet werden. Auch bei Verfugen hoch
beanspruchter Fliesenbeläge müssen epoxidhaltige
Mörtel nicht unbedingt zum Einsatz kommen, hier gibt es neue,
ungefährliche Ersatzstoffe (auf Basis von Alkalisilikaten).
Heimwerker können statt mit Epoxidharzklebern auch mit weniger
gefährlichen Klebstoffen zu Werke gehen.
Bei vielen Arbeitsprozessen allerdings lassen sich Epoxidharze wegen
ihrer technischen Eigenschaften nicht ersetzen. "In solchen
Fällen", so Vestring, "muss wegen des hohen
Gefährdungspotenzials auf einen sachgemäßen
Umgang mit Epoxidharzen gedrungen werden".
Ein direkter Hautkontakt muss dabei unbedingt vermieden werden. Oft
kann bereits durch die Auswahl der Arbeitsmittel wie zum Beispiel
drehzahlgesteuerte Rührwerkzeuge und
Verarbeitungsgeräte mit Spritzschutz der Kontakt verringert
werden. Unentbehrlich ist das Tragen geeigneter Schutzhandschuhe, zum
Beispiel aus Nitril. Hautkontakt muss aber auch an anderen
Körperpartien durch Knieschutz und Schutzanzüge
verhindert werden. Bei Spritzgefahr ist eine Schutzbrille erforderlich.
Informationen zum sicheren Umgang mit Epoxidharzen sowie eine Liste
geeigneter Schutzhandschuhe können im Internet unter
www.GISBAU.de abgerufen werden
