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Zunehmende Krankheitsfälle durch Epoxidharze
Zunehmend Krankheitsfälle durch Epoxidharze - Abhilfe ist möglich
(20.08.2004)

Weil sie sich hervorragend verarbeiten lassen, haben Epoxidharze seit rund zehn Jahren in immer mehr Bau-Gewerbezweigen Einzug gehalten. Nun schlagen die Berufsgenossenschaften der Bauwirtschaft Alarm. Grund: Epoxidharze sind bei Männern der Bauwirtschaft zum zweithäufigsten Auslöser beruflich bedingter allergischer Hautkrankheiten geworden. "Die Folgen sind menschliches Leid und sprunghaft angestiegene Kosten in Höhe von vielen Millionen Euro in den letzten fünf Jahren. Doch es gibt Alternativen und Möglichkeiten zum richtigen Umgang." Das sagte Jutta Vestring, designiertes Geschäftsführungsmitglied der ab Mai 2005 vereinigten Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft und derzeit in der Arbeitsgemeinschaft der Bau-Berufsgenossenschaften für die gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit kürzlich in Frankfurt am Main.

Die Zahl schwerster Erkrankungen durch die Verarbeitung von Epoxidharzen in allen Branchen der gewerblichen Wirtschaft steigt rapide an. Jedes Jahr werden Hunderte von Berufserkrankungen auf Grund dieses Baustoffes neu anerkannt. Über 60 Prozent der Betroffenen kommen vom Bau.

Noch vor zehn Jahren wurden Epoxidharze nur in "Nischen", bei der Betonsanierung und der Beschichtung von Industriefußböden eingesetzt. Seitdem wird der Stoff wegen seiner Chemikalienbeständigkeit und dem hohen Haftungsvermögen in immer mehr Gewerbezweigen verarbeitet.

Ein typisches Beispiel: Seit kurzem werden Epoxidharze als Fugenmörtel für Kopfsteinpflaster verwendet, damit die Flächen mit der Kehrmaschine gereinigt werden können. Verbreitet ist der Stoff auch beim Einbau von Fliesenbelägen, etwa in Schwimmbädern, Autowaschanlagen oder Brauereien. Ebenso werden Epoxidharze zunehmend als dekorative Fußbodenbeschichtung in Büros sowie Wohn- und Geschäftshäusern eingesetzt.

In vielen Betrieben indessen sind die besonderen Gefährdungen mit dem Umgang von Epoxidharzen nicht bekannt. Es sind vor allem darin enthaltene Bisphenol-Harze, Reaktiv-Verdünner und Amine, die bereits nach wenigen Tagen eine schlimme Hautallergie an Händen, auch am Gesicht sowie an allen unbedeckten Körperteilen auslösen können.

Dabe entsteht die Erkrankung nur beim direkten Hautkontakt, zum Beispiel durch Spritzer beim Mischen, durch Sprenkel an den Griffen von Arbeitsgeräten oder durch verschmutzte Arbeitskleidung.

Ist die Haut erst einmal sensibilisiert, reagiert der Betroffene auch mit bester Schutzausrüstung beim geringsten Kontakt mit Epoxidharzen sofort. Ein Allergieschub kann selbst dann ausgelöst werden, wenn der Beschäftigte gar nicht mehr mit dem Stoff hantiert, sich aber in Räumen aufhält, in denen Epoxidharz verarbeitet wird. Wer einmal erkrankt ist, wird in der Regel den Beruf wechseln müssen.

Es sei daher nicht erstaunlich, dass die durch Epoxidharzeinsatz bei den Berufsgenossenschaften angefallenen Kosten im Jahr 2003 fast 1,6 Millionen Euro betragen haben, davon 1,3 Millionen Euro für die berufliche Rehabilitation und Renten. Das heißt, diese Versicherten müssen ihren Beruf aufgeben. Und der Trend ist stark ansteigend.

Ersetzt werden können Epoxidharze in allen Bereichen, in denen sie zu dekorativen Zwecken verwendet werden. Auch bei Verfugen hoch beanspruchter Fliesenbeläge müssen epoxidhaltige Mörtel nicht unbedingt zum Einsatz kommen, hier gibt es neue, ungefährliche Ersatzstoffe (auf Basis von Alkalisilikaten). Heimwerker können statt mit Epoxidharzklebern auch mit weniger gefährlichen Klebstoffen zu Werke gehen.

Bei vielen Arbeitsprozessen allerdings lassen sich Epoxidharze wegen ihrer technischen Eigenschaften nicht ersetzen. "In solchen Fällen", so Vestring, "muss wegen des hohen Gefährdungspotenzials auf einen sachgemäßen Umgang mit Epoxidharzen gedrungen werden".

Ein direkter Hautkontakt muss dabei unbedingt vermieden werden. Oft kann bereits durch die Auswahl der Arbeitsmittel wie zum Beispiel drehzahlgesteuerte Rührwerkzeuge und Verarbeitungsgeräte mit Spritzschutz der Kontakt verringert werden. Unentbehrlich ist das Tragen geeigneter Schutzhandschuhe, zum Beispiel aus Nitril. Hautkontakt muss aber auch an anderen Körperpartien durch Knieschutz und Schutzanzüge verhindert werden. Bei Spritzgefahr ist eine Schutzbrille erforderlich.

Informationen zum sicheren Umgang mit Epoxidharzen sowie eine Liste geeigneter Schutzhandschuhe können im Internet unter www.GISBAU.de abgerufen werden

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