Auf unerwartet große Resonanz stieß das erste Presseseminar der BG BAU am 2. und 3. Juli 2007 in Frankfurt am Main. Über 40 Journalisten beschäftigten sich während der zwei Seminartage mit dem Thema "Gefährliche Stoffe auf Baustellen und in Eigenheimen". Vor allem Referenten der GISBAU und andere Präventionsexperten der BG BAU informierten die Medienvertreter über die Gefährdungen, denen sich Heimwerker wie Beschäftigte der Bauwirtschaft aussetzen, wenn sie mit chemischen Baustoffen hantieren. Die Moderation hatte Bernd Kulow, der neue Leiter der Abteilung Presse und Öffentlichkeitsarbeit, der das Seminar initiierte.
"Das Thema Gefahrstoffe muss noch stärker in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden", sagte Rainer Prestin, Vorsitzender der BG BAU auf dem Seminar. Denn es komme darauf an, dass weitere Maßnahmen ergriffen und die entwickelten Schutzmaßnahmen in jedem Fall strikt eingehalten würden. Zu Beginn des Seminars hatte Dr. Anette Wahl-Wachendorf vom Arbeitsmedizinischen Dienst erläutert, wie vielfältig die Krankheiten sind, die durch Gefahrstoffe beim Bauen hervorgerufen werden können. Vor allem können sie Auswirkungen auf die Atemwege und die Haut haben. Auch auf Leber, Niere und das zentrale Nervensystem können sich Gefahrstoffe schädlich auswirken. Dr. Thorsten Reinecke von der BG BAU berichtete sehr anschaulich, wie gefährdet Heimwerker sind. Gerade beim Bauen im privaten Bereich wird mit Gefahrstoffen umgegangen, ohne dass ausreichend Kenntnisse vorhanden sind. Meist dürfte die Einstellung vorherrschen, es sei schon nicht so schlimm, da man ja den Kontakt mit den gefährlichen Stoffen nicht ständig habe, sondern die Bautätigkeiten nur einmalig ausführe. Doch deutlich wurde, dass ein unsachgemäßer Umgang mit Gefahrstoffen im eigenen Heim zu schweren Verletzungen oder Erkrankungen führen kann. Das unsachgemäße Hantieren mit Gefahrstoffen wird noch dadurch begünstigt, dass die Produktinformationen oft keine konkreten und vollständigen Angaben zu Schutzmaßnahmen enthalten. Wo ältere Gebäude oder Wohnungen vom Eigentümer renoviert werden, sollten Fachleute zu Rate gezogen werden. Denn unsachgemäßer Umgang mit Gebäudeschadstoffen gefährdet nicht nur die Umwelt, sondern auch den "Häusle-Bauer" direkt und ist zudem strafbar. Die Hersteller von gefährlichen Chemikalien sind seit über 10 Jahren verpflichtet, mit ihren Produkten Sicherheitsdatenblätter auszuliefern. Darauf wies Norbert Kluger; GISBAU, in seinem Referat hin. Die Sicherheitsdatenblätter sollen die möglichen Gefahren verdeutlichen und notwendige Schutzmaßnahmen aufzeigen. Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass 75 % der Sicherheitsblätter unvollständig oder fachlich nicht korrekt sind. Hinzu kommt, dass bei den über 300.000 Klein- und Mittelbetrieben der Bauwirtschaft chemisches oder gar toxikologisches Wissen nur unzureichend vorhanden ist. Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) bietet ihren Mitgliedsbetrieben deshalb das Gefahrstoff-Informationssystem (GISBAU) an, in dem mittlerweile zu über 12.000 bau-chemischen Produkten Angaben zu Gesundheitsgefahren und Schutzmaßnahmen abzurufen sind. In dem jedermann zugänglichen System finden sich auch Hinweise auf weniger gefährliche Ersatzprodukte. Dr. Johannes Geier vom Informationsverbund Dermatologischer Kliniken, IVDK, griff das Thema Allergien auf. Allergien sind für viele Menschen zu einer starken Beeinträchtigung in ihrem Leben geworden. Dr. Geier erläuterte die Ursachen für Allergien wie auch die Möglichkeiten sie zu lindern oder ganz zu vermeiden. Elfi Teich von der BG BAU trug die vielfältigen Aktivitäten der Berufsgenossenschaften im Rahmen der Hautkampagne vor. Die BG BAU wendet sich mit unterschiedlichsten Aktionen an ihre Versicherten wie an ihre Mitgliedsbetriebe. Das Ziel: Durch Beratung, Schulung und Infoveranstaltungen sollen am Ende berufsbedingte Hauterkrankungen reduziert werden. Referenten der BG BAU informierten über einige Gefahrstoffe, von denen ein spezielles Risiko ausgeht: Abbeizer, Lösemittel, Epoxidharze und Zement. Hervorgehoben wurden Abbeizer, die Dichlormethan enthalten. Sie stehen im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Epoxidharze rufen vor allem Allergien hervor. Spuren von Chromat im Zement reichen aus, um die "Maurerkrätze" hervorzurufen. Diese Hautkrankheit gehört zu den häufigsten Hauterkrankungen in der Bauwirtschaft. Der Gefahrstoff, durch den zurzeit die meisten schweren Krankheiten auftreten, ist Asbest. Zwar ist der Naturstoff Asbest seit 14 Jahren in Deutschland verboten, doch die lebensgefährliche Asbestose tritt meist erst nach Jahrzehnten auf. So erkranken heute Beschäftigte, die vor langer Zeit mit dem Stoff gearbeitet haben. Und weiterhin kommen Zigtausende Beschäftigte in der Bauwirtschaft bei Sanierungs- oder Abbrucharbeiten mit dem gefährlichen Stoff in Kontakt. "Die Schutzmaßnahmen müssen unbedingt eingehalten werden", mahnte Uwe Zimmer von der BG BAU. Mit der am 1. Juni 2007 in Kraft getretenen EU-Verordnung REACH wird für viele Stoffe erstmals ermittelt, ob sie Hautallergien verursachen können. Zudem sollen bis 2011 für 2.700 Stoffe erstmals Arbeitsplatzgrenzwerte geschaffen werden. Bislang gibt es erst für 200 Stoffe solche Grenzwerte, erläuterte Dr. Reinhold Rühl von der BG BAU. Dass die BG BAU auch in der Forschung tätig ist, machte der Beitrag von Professor Manfred Helmus von der Universität Wuppertal deutlich. Die neue RFID-Technologie könnte die Einhaltung von Schutzmaßnahmen entscheidend voranbringen. Professor Helmus veranschaulichte, wie mittels Chips eine Kontrolle der Schutzausrüstung möglich wird. Vor dem Hintergrund, dass in der Praxis das Benutzen von Schutzkleidung manchmal zu lax gehandhabt oder einfach vergesen wird, wird in Zukunft der Einsatz von RFID eine begrüßenswerte Besserung bringen. Vor 20 Jahren rief die BG BAU das Gefahrstoff-Informationssystem ins Leben. "Das Informationssystem wird weiterhin für Bauherren, Ingenieure, Beschäftigte und Heimwerker von Bedeutung sein, denn die BG BAU bereitet die Informationen verständlich und anschaulich auf", so Norbert Kluger. Um Erkrankungen durch Gefahrstoffe zu verhindern, gilt es vor allem Ersatzstoffe einzusetzen und weitere zu entwickeln. Bereits heute lassen sich viele der stark gefährlichen Baustoffe durch weniger gefährliche oder völlig harmlose ersetzen. Hier sind auch die Architekten gefragt. Der Vorsitzende der BG BAU appellierte an die Architekten, bereits in die Ausschreibungen aufzunehmen, dass ungefährliche Produkte zu verwenden seien. Der Architekt als Berater des Bauherrn habe hier eine wichtige Funktion zu erfüllen. Die BG BAU stelle mit ihrem Gefahrstoff-Informationssystem (GISBAU) gerade auch dem Architekten ein Instrument an die Seite, mit dem er sich bei jedem Bauvorhaben über mögliche Ersatzstoffe informieren kann. "Wenn der Architekt dies versäumt, ist das Kind meist in den Brunnen gefallen", so Prestin. Andererseits hat der Architekt mit seinen Vorgaben die Möglichkeit, ein ganzes Bauprojekt positiv zu beeinflussen.